Tach,
mir geht's wieder besser, dieses Auslandsleben ist halt ein staendiges Auf und Ab. Aber auch die Sonne hat ihre Finger im Spiel, denn immerhin scheint sie jetzt zumindest tagsueber und waermt die nach wie vor ungewoehnlich kalte Luft ein wenig auf. Nachts schlafe ich allerdings mittlerweile schon im Pullover, und die Remarkables sind weiterhin von einer leichten Schneeschicht bedeckt.
Es gibt eigentlich nichts spannendes zu berichten, ich lebe so jeden Tag vor mich hin, mehr oder weniger im Rhythmus der Arbeit. Die Tage bin ich umgezogen, in ein anderes Hostel. Maria, meine Kollegin, in meinem Alter und ganz normal, hat mir dabei geholfen, sehr lieb. So hatte ich einen Van zur Verfuegung, um mein Zelt und meinen Rucksack zu transportieren... Anscheinend ist Bildung hier nicht sehr beliebt. Ich habe nun schon mehrere Menschen getroffen, die einfach keine Ausbildung oder sowas machen, sondern nach der Schule irgendwo arbeiten, und dann wieder irgendwo arbeiten, Referenzen bekommen etc. So scheint das hier zu funktionieren. So wie hier sowieso alles irgendwie funktioniert. Bemerkenswert. Nur vor der Rezession haben sie Angst. Deswegen heisst das auch direkt rezession und nicht Wirtschafts- oder Finanzkrise. Mein erster Check meiner Kontoauszuege hat mir auch coole Wechselkurse gezeigt, zumeist um die 1:2,5. Nicht so cool: Wenn ich das jetzt so umrechne, bekomme ich noch weniger Lohn!
Dafuer arbeite ich aber richtig viel, meist so um die 6-9 Stunden am Tag, in Split Shifts: Morgens von halb 6 bis ca. 10, und abends auch. Dazwischen habe ich frei, bzw: ich habe noch einen Job in Arrowtown zu erledigen, das ist aber meine Lieblingsarbeit. Seit ein paar Tagen habe ich die Vanette, einen kleinen Van, bei mir am Hostel geparkt (und auchs chon fremdstarten lassen muessen...), und wenn ich dann gefruehstueckt habe oder so, duese ich mit meiner kleinen vanette nach Arrowtown, einer noch viel kleineren niedlichen Goldgraeberstadt. Dort kuemmere ich mich um ein Mini-einkaufszentrum, fege also, poliere eine Mini-Glaspyramide, waessere die Pflanzen und putze die Toiletten. das ist auch nicht so schlimm. dann fahre ich wieder zurueck. Da Arrowtown aber etwas weiter weg ist, verbringe ich zu meist eine Stunde im Auto, hoere einen sehr guten Sender im Radio, der mich stark an Arrow Classic Rock erinnert, und fahre zu den Klaengen von Guns'n Roses etc. durch die beeindruckende Berglandschaft. Meistens kaufe ich dann noch in frankton ein,d a gibbts einen grossen Supermarkt, und mein Tag ist gerettet.
NAchteile der Shifts sind halt, dass ich kaum Zeit fuer mich habe, geschweige denn Zeit, um abends im Hostel zu sein und Leute kennenzulernen. Dabei ist das Hostel supernett, es gibt einen riesigen Garten, in dem man sich das Obst der Saison pfluecken kann, und wieder einmal eine unglaubliche Aussicht ueber Queenstown.
So sehr ich die Tage noch geschimpft hab, ist es gar nicht mal so schlecht, hier ein bisschen Routine zu bekommen. ich habe richtige Lebensmittel! Und ich rede den ganzen Tag Englisch, treffe eigentlich nur Kiwis, meine Arbeitgeber sind superliebe, wenn auch etwas schlichte Menschen, die mir morgens immer Milchkaffee mitbringen, sich um alles kuemmern, und generell sehr easygoing sind. Ich habe mir auch Flipflops, hier Jandals oder thongs genannt, zugelegt, damit ich auch ein bisschen 'schicker' auftreten kann (ohne Scheiss!), ich kann - schon seit ein paar Wochen- die Strasse ueberqueren, ohne wie geblendet stehenzubleiben oder fast ueberfahren zu werden, da ich mich an den Linksverkehr gewoehnt habe, und das beste, ich kann die neuseelaendischen verkehrsregeln. Das heisst nicht, dass ich sie verstehe, aber ich kann nun Autofahren, ohne Unfaelle zu bauen.
Die logik bleibt mir allerdings ein Raetsel: Hier herrscht ja bekanntlich Linksverkehr. Es ist aber beileibe nicht alles einfach spiegelverkehrt. Meine lieblingsregeln betreffen "Rechts vor Links". Ja, das gilt hier auch. Muss man nicht verstehen. Jedenfalls hat der rechts stehende Vorfahrt, es sei denn, jemand ist links, der rechts abbiegen moechte. Dann hat dieser Vorfahrt. Oder: an einer Strasse ist eine Abzweigung, der Linksverkehr geradeaus faehrt durch. Klar, dass die entgegenkoemmende Spur beim rechtsabbiegen auf den verkehr warten muss. Warum in dem Fall, dass der erstgenannte Linksverkehr links abbiegen moechte, aber auf einmal die andere Fahrbahn Vorfahrt hat, erschliesst sich mir nicht. Oder wie man einen Kreisverkehr meistert, in dem man beim Einfahren signalisiert, in welche Richtung man weiterfaehrt, wenn der Kreisverkehr gross und unueberschaubar ist und man sich in jedes potentiell in den Kreisverkehr fahrende Auto hineinversetzne muss, um zu schauen, wer denn nun fahren darf. Ich fahr meistens einfach. Und schimpfe mittlerweile auch schon auf Touristen. :)
So, ich muss, der nightrun, das sind die ganzen Bueros und Laeden, beginnt gleich.
Telfon ist wegen der derzeitigen Schichten eher unguenstig, aber ich melde mich irgendwie. Und da ich hier noch mindestens einen Monat bleibe, freue ich mich antuerlich auch ueber Post:
Deco Backpacker's
52 Man Street
Queenstown
es gibt auch noch ne PO nummer, die werde ich nochmal nachreichen...